Start-ups im BadenCampus bieten innovative Lösungen für Kommunen in Südbaden

Schon bald wird ein autonomer Bürgerbus in Breisach testweise seine Runden drehen und einen Ausblick in die Mobilität der Zukunft geben. Das über das Förderprogramm InKoMo 4.0. geförderte Projekt ist eine Kooperation des Stuttgarter Start-ups Emm! Solutions, der badenova, der Stadt Breisach sowie des BadenCampus. Dieses innovative Projekt ist kein Einzelfall.

Seit Ende 2017 unterstützt der BadenCampus von Breisach aus Technologie-Start-ups in unterschiedlichen Themenfeldern und wird dafür vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg und dem Europäischen Sozialfonds gefördert. Die Gründungsteams, die aus ganz Süddeutschland und Frankreich kommen, entwickeln dabei auch immer wieder spannende Lösungen für Kommunen und arbeiten mit öffentlichen Einrichtungen in der Region zusammen.

Start-ups helfen Kommunen bei der Digitalisierung

Eine aktuell zentrale Herausforderung für Kommunen ist beispielsweise die Digitalisierung. Während Privatpersonen und Unternehmen meist schon längst digital unterwegs sind, werden Verwaltungsangelegenheiten oftmals noch klassisch, analog gelöst. Das zeigt auch eine Umfrage des Instituts für Innovation und Technik und des Deutschen Städte- und Gemeindebundes: 47% aller befragten Kommunen haben keine Digitalisierungsstrategie (statista) und kaum digital nutzbare Verwaltungsdienstleistungen. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung befürchtete der Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn zuletzt, dass dadurch die Kluft zwischen Bürgern und Kommunen steigen könnte (Süddeutsche Zeitung). 

In Willstätt und anderen Gemeinden hilft mittlerweile das Start-up Famigo aus Kenzingen bei der Digitalisierung, in dem es alle Familienangebote bündelt und digital aufbereitet. Gründer Alexander Feldberger hat für seinen Ansatz bereits einige Preise gewonnen, der Weg zu einer funktionierenden Lösung ist aber dennoch anspruchsvoll. Zuletzt hat Famigo seine Flexibilität bewiesen, in dem das Team Gemeinden kurzfristig eine Lösung zur Kommunikation von Corona-Regelungen zur Verfügung gestellt hat.

Auch ein weiteres Team aus dem Kontext des BadenCampus unterstützt in Corona-Zeiten. Das Team von quarano hat beim wirvsvirus-Hackathon der Bundesregierung im März eine digitale Lösung zur Dokumentation der Verläufe von Infizierten und deren Kontaktpersonen in Quarantäne bzw. häuslicher Isolation, die Gesundheitsämter direkt entlastet.

Gemeinsam erfolgreiche Umsetzung der Energiewende 

Neben der digitalen Verwaltung gilt es auch die kommunale Energiewende voranzutreiben, um den gesetzlich definierten Umweltzielen und den Anforderungen der Bürger gerecht zu werden. Die Digitalisierung bietet hierbei enormes Potenzial die Produktivität zu erhöhen, Transparenz zu schaffen und die beteiligten Akteure stärker miteinander zu vernetzen. 

Auch dafür bieten zahlreiche Start-ups Lösungen an: Das Team von greenventory beispielsweise, das von Wissenschaftlern des Fraunhofer ISE und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) entstanden ist, ermöglicht es, Energieprojekte auf Ebene von Städten, Kommunen oder Quartieren zu planen und umzusetzen. Dafür hat das Team um Dr.-Ing. Sven Killinger, Dr.-Ing. Kai Mainzer und Dr. David Fischer eine webbasierte Software entwickelt. Diese inventarisiert sowohl den Status quo einzelner Energiesysteme als auch Potenziale (z.B. Verbrauchsdaten, Effekte von Sanierungsmaßnahmen, freie Dachflächen für Photovoltaik). Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz können übergreifende Konzepte für Wärme- oder Energiedienstleistungen fortlaufend optimiert werden. In gleich mehreren Projekten mit Energieversorgern, Netzbetreibern und Städten wird die Software von greenventory bereits erfolgreich eingesetzt.

Innovative Lösungen für die Zukunft

Weitere spannende Ideen kommen beispielsweise aus dem Bereich E-Mobilität. Mit ChargeIQ und Charme - Charme Charge at home aus Stuttgart nehmen sich gleich zwei Teams der Infrastruktur für Elektromobilität an, indem sie private Ladestationen abrechenbar und damit zugänglich machen. ChargeIQ hat zuletzt dafür eine Förderung im Rahmen des Bürgerladenetzes BW gewonnen.

Auch Lösungen für den Engpass an Wohnflächen werden angegangen. Modulero, ein Start-up aus dem Accelerator 2020, entwickelt ein Konzept zum Bauen auf begrenzter Fläche mittels recycelter Container und ermöglicht so eine effiziente Nutzung knapper Ressourcen. Auch zukünftig hoch relevante Bedarfe, wie bspw. die globale Temperaturmessung zur Verbesserung der Pflanzengesundheit werden durch Start-ups wie ConstellR angegangen.  

Über die badenova und deren kommunale Anteilseigner soll die Achse zwischen Start-ups und Kommunen in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden. Nicht zuletzt die Stadt Breisach, die Start-ups als “Test Kommune” ein attraktives Umfeld bieten will, um ihre Lösungen anzuwenden und zu testen, ist dafür ein Vorbild. Passende Förderprogramm wie aktuell “Kommunen innovativ” des Bundesministeriums für Bildung und Forschung oder Nachhaltige Digitalisierung für Ressourceneffizienz in IT und Verwaltung gibt es dafür regelmäßig.

Jochen Debus, der Leiter des Kommunalmanagements der badenova, freut sich über diese Initiativen, die aus dem BadenCampus hervorgehen. „Hieran erkennen wir, dass die gezielte Förderung von jungen, innovativen Unternehmen in der Region wertvolle Impulse und Beiträge für unsere kommunalen Partner und Gesellschafter liefern. Durch die Entwicklungen in den vergangenen Monaten, ausgelöst durch die Corona Pandemie, wird die Digitalisierung und die damit verbundenen Chancen zunehmend wichtiger für kommunale Verwaltungen und kommunale Anwendungen.“

Bei Interesse an der Zusammenarbeit mit innovativen Start-ups können Sie sich für das Matchmaking am 19. Juni kostenfrei unter folgendem Link anmelden. Die Veranstaltung bringt Unternehmen, Gesundheitseinrichtungen und Kommunen unverbindlich in 1-to-1-Webkonferenzen mit vorwettbewerbliche Startups zusammen. Der BadenCampus unterstützt - im Falle gegenseitigen Interesses - beidseitig zu einer erfolgreichen Kooperation und einem gelungenen Markteintritt.

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