BadenCampus Plauderstündchen mit Grimm Water Solutions

Aufgrund jüngster Ereignisse wird vor allem das Thema des Starkregens immer präsenter. Aus diesem Grund benötigt es innovative Lösungen, welche sich mit Bedarfen und Folgen dieser Problematik beschäftigten. Genau das hat sich Gründer Phillip Grimm als Aufgabe gesetzt und das Technologie- und Softwareunternehmen für die Wasserwirtschaft, die Grimm Water Solutions UG, gegründet. Ganz vorne bei Grimm Water Solutions steht die Vision, eine innovative Kanalnetzsteuerung umzusetzen und somit Abwasserüberläufe zu reduzieren. 

 

„Durch Starkregenereignisse kommt unsere Mischwasserkanalisation regelmäßig an ihre Grenzen und wird überlastet. Unbehandeltes Abwasser kann in begrenztem Maße in Regenüberlaufbecken zurückgehalten werden, bevor es unweigerlich in unsere Flüsse abgeleitet wird. Wo es keine Becken gibt, läuft es direkt in den nächstgelegenen Fluss. In Berlin ist es die Spree, in die jährlich ungefähr ein Volumen fließt, wie die drei Cheops Pyramiden fassen.”

 

Das Startup arbeitet zurzeit an einer intelligenten Kanalnetzsteuerung namens i-SEWER, welche sich wie ein Werkzeugkasten aus einzelnen Softwarelösungen und Dienstleistungen zusammensetzt. Kernelement der Steuerung bildet das s.g. “surrogate model”, welches zur Familie der Supervised Machine Learning Modelle gehört und die Echtzeitsteuerung des Kanalnetzes ermöglicht. 

Zudem erklärt Phillip Grimm, dass derzeit erst 10% aller deutschen Fließgewässer den guten ökologischen Zustand der europäischen Wasserrahmenrichtlinie erreichen. 

 

“Deswegen ist für uns klar, dass wir hierfür eine intelligente Lösung brauchen, die nicht nur aus neuen Rückhaltebecken besteht, damit wir neben der Reduktion der Überläufe auch den Nachhaltigkeitszielen der United Nations und der Wasserrahmenrichtlinie näher kommen. Außerdem sollen auch unsere Naherholungsgebiete besser und ökologischer werden.”

 

Auf die Idee kam der Gründer, Modellier und Hydrologe durch seine Schildkrötenstation in Nicaragua. Aufgrund von Surfern, die nach starken Regenfällen über Hautreizungen oder Magen-Darm-Erkrankungen berichteten, habe er sich gefragt, wie mit dieser Thematik in Deutschland umgegangen wird. 

 

“Und dann hat sich herausgestellt, dass es das bei uns auch gibt.”

 

Doch Vorhaben um neue Rückhaltebecken zu bauen seien sehr kostenintensiv. Aus diesem Grund verfolgt das Startup die Hypothese, dass man mit einer Steuerung des Kanalsystems das Volumen 20-30% kleiner dimensionieren könne. Dies sei einerseits kostengünstiger, andererseits wäre die Ökobilanz besser und der benötigte Platz wird somit so gering wie möglich gehalten, so Phillip Grimm.

Dass diese Vision Anklang findet, bestätigte sich unter anderem mit der Förderung durch den Digital GreenTech des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, wodurch das Startup sechs Monate lang finanziert wurde. Nach der Förderbekanntgabe konnte die Grimm Water Solutions das Konzept i-SEWER beim Digitaltag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie auf nationaler Bühne vorstellen. 

 

“Das war ein richtiger Glücksmoment!” 

 

Doch vor allem ist der Gründer und CEO stolz auf sein Team, welches “nicht locker lässt”. 

 

“Man arbeitet gemeinsam und kämpft für die große Vision. Jeder aus dem Team könnte sich wahrscheinlich direkt ein Job bei einem großen Unternehmen sichern und viel Geld verdienen, aber die Leute stellen sich immer mehr die Frage nach dem Sinn und wollen selber was gestalten und aufzubauen. Jeder der bei uns mitmacht hat freie Hand, unabhängig vom Arbeitsort, Arbeitszeiten, Input und Ideen. So kann man wirklich was gemeinsam reißen.” 

 

Zu den Learnings der letzten zwei Jahre zählt Phillip Grimm unter anderem den richtigen Zeitpunkt zum Gründen. 

 

“Man sollte sich bei der Gründung absolut nicht stressen lassen und sich zunächst der laufenden Kosten bewusst werden, die auf einen zukommen. Aus diesem Grund sollte man sich frühestmöglich darüber informieren, welche Förderungen man vor der Gründung beantragen kann.” 

 

Zudem sollte man laut Phillip Grimm baldmöglichst mit dem Vertrieb anfangen und die Kundennähe suchen, um mit den Akteuren ins Gespräch zu kommen, die genauen Bedarfe zu ermitteln und die eigenen Hypothesen zu validieren. Außerdem sei es wichtig, strategische Partner an seiner Seite zu haben. 

So nahm das Startup im Jahr 2020 am BadenCampus Startup Accelerator teil. Darauf aufmerksam wurde der Gründer unter anderem durch die Nähe des BadenCampus zur badenova. 

 

“Gerade als Wasser-Startup fand ich die Nähe zu der badenova interessant, da ein gewisser Schwerpunkt schon vorhanden war.”

 

Doch auch durch die im BadenCampus Accelerator Programm entstandenen Kontakte und das Netzwerk wurde die Grimm Water Solutions nachhaltig unterstützt. Vor allem blieb Phillip die SummerSchool im Kopf. 

 

“Die Summer School war wirklich genial, weil die zwei Tage intensiv waren. Ich habe all die relevanten Infos bekommen, die ich als Gründer brauche und habe alles mitgenommen was ging. Für mich war es enorm wichtig den Austausch zu haben und mit Gleichgesinnten zusammenzusitzen. Und das nicht nur einmal pro Woche, sondern regelmäßig. Aber natürlich war auch das Netzwerken untereinander von Vorteil.”

 

Doch auch in diesem Jahr hat das Startup einiges vor. Bisher konzentriert sich das Team unter anderem auf den Vertrieb einzelner Teilprodukte, wie das Analyse-Tool zur vollautomatischen Erstellung der gesetzlich vorgeschriebenen Jahresprotokolle. Aber auch die Zusammenarbeit mit Kommunen und Betreibern kommt nicht zu kurz. 

 

“Ich bin fast wöchentlich mit Kommunen und Betreibern im Gespräch, welche an unseren Software Tools interessiert sind, weil es ihre tagtägliche Arbeit erleichtert. Währenddessen arbeiten wir auf die große Vision von i-SEWER zu. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und wissen, wie es aussieht. Nun können wir auf strategische Partnerschaften eingehen.”

 

Tipps, welche Phillip Grimm interessierten Gründer*innen mit auf dem Weg geben würde sind neben den bereits oben genannten Learnings vor allem “Spaß, an dem was man macht.” Trotzdem müsse man auch “von anderen Sachen loslassen und vertrauen können”. Denn:  

 

“Startup ohne Risiko geht nicht, genauso wie es keine hohe Rendite ohne Risiko gibt. Risiko musst du eingehen.”

 

 

Wir bedanken uns herzlich bei Phillip für die Zeit und Offenheit seine Erfahrungen als Gründer zu teilen und wünschen dem gesamten Grimm Water Solutions-Team weiterhin viel Erfolg für die Zukunft!

 

Mehr Informationen zu Grimm Water Solutions und i-SEWER finden Sie hier.

 

Informationen zur BadenCampus Finanzierungswerkstatt (Bewerbungsphase bis 15.September 2021) gibt es hier.

Zurück nach oben

Diese Seite nutzt Website Tracking-Technologien von Dritten, um ihre Dienste anzubieten. Ich bin damit einverstanden und kann meine Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen oder ändern.

Einstellungen AkzeptierenImpressum