BadenCampus Plauderstündchen - Phaseform

Bis heute haben zahlreiche Start-ups aus dem Deep-Tech Bereich mit ihren innovativen Ideen unser Acceleratoren Programm durchlaufen. In unserem “BadenCampus Plauderstündchen” reden wir mit Gründer*innen über ihre Erfahrungen, Erfolge und Herausforderungen.

Den Start macht das junge Unternehmen Phaseform, welches adaptive Optiksysteme, basierend auf innovativer Hard- und Software, entwickelt und vertreibt. Das Spin-off der Universität Freiburg wurde aus einer Produktvision, welche nach vielen Jahren Forschung und geförderten Vorentwicklungen entstand, im Jahr 2020 gegründet. Der Firmenname “Phaseform” leitet sich von der Phase des Lichts ab, die das Start-up manipuliert und formt. Das Kernelement dabei ist eine sogenannte „deformierbare Phasenplatte“. Diese ist ein transparentes optisches Bauteil, welches man sich ähnlich einer Linse vorstellen kann, die komplexe Verzerrungen des Lichts präzise korrigieren kann. Das Einführungsprodukt von Phaseform, “Delta 7“, kann Verzerrungen bis zu einer siebten Ordnung sogenannter Zernike-Moden korrigieren, weit mehr als herkömmliche Bauteile auf dem Markt. 

Dr. Stefan Weber, Co-Founder und CEO von Phaseform, stieß 2019 auf die beiden Doktoranden, Pouya Rajaeipour und Kaustubh Banerjee, die am Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK) der Universität Freiburg, zusammen mit ihrem Betreuer, Dr. Çağlar Ataman, die grundlegende Technologie entwickelten. Als Serienunternehmer, mit einem Hintergrund in Optik, erkannte er sogleich deren kommerziellen Wert

 

“Die am IMTEK entwickelte Technologie war in einer ganz besonderen Nische angesiedelt, einer, die einen hohen Bedarf am Markt erkennen ließ –  daraus ein Spin-Off zu gründen und ein Produkt auf den Markt zu bringen, war daher für alle Beteiligten hoch motivierend.”

 

Eine Komponente, die in den Bereichen der Mikroskopie, der Augenheilkunde, des 3D Microprinting, virtuellen Realität, der Amateurastronomie, aber auch in der optischen Inspektion angewendet werden kann, zeigt die große Bandbreite der Möglichkeiten, die in den kommenden Monaten evaluiert werden soll. 

 

“Optik und Photonik ist ein Treiber für technologische Innovationen und eine der wichtigsten Schlüsseltechnologien für die Zukunftsmärkte des 21. Jahrhunderts, so bieten sich uns als Komponenten- bzw. Systemhersteller enorme Möglichkeiten.“

 

Ihr Einführungsprodukt vertreibt das Start-up zunächst an Systemintegratoren und ausgewählte Forschungsgruppen, die selbst optische Systeme entwickeln. Unterstützt wurde Phaseform von verschiedenen Akteuren der Universität Freiburg, insbesondere von der Gisela und Erwin Sick Professur für Mikrooptik sowie von Prof. Dr. Hans Zappe am Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK) und dem Gründerbüro der Universität Freiburg.

Mit der Gründung im Jahr 2020 ist das Start-up direkt in die Corona-Pandemie gestartet. Laut Stefan Weber gab es einige Herausforderungen, die Phaseform in dieser Zeit zu meistern hatte. Besonders eingeschlagen, so Stefan Weber, hätten Verzögerungen in globalen Lieferketten, Materialknappheit, Zugang zu Entwicklungspartnern, Laboren und Produktion. 

 

„Die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen, Planungsunsicherheiten und Social Distancing machte es zur Herausforderung, zu einem eingespielten Team zu werden. Planung ist insbesondere in der Hardwareentwicklung bedeutsam, da sie von langen Entwicklungszyklen und globalen Abhängigkeiten geprägt ist.“

 

Zudem habe die Pandemie das Netzwerkverhalten und die Kommunikationsweise der Menschen verändert. Das anfängliche Fehlen von Networking-Möglichkeiten erschwerte die Suche nach Projektpartnern und Kunden. Doch dies schuf auch neue Möglichkeiten.

 

“Es sind neue Abläufe, neue Gewohnheiten und auch neue Wege entstanden, mit der Situation umzugehen, zum Beispiel rein virtuelle Konferenzen und neue Networking-Tools.”

 

Trotz der Corona-Pandemie gab es so einige Highlights für das Start-up. Die interne Kommunikation lief nach kurzer Zeit wie gewünscht. Rückblickend sind Stefan Weber vor allem die guten Nachrichten zur Entwicklung und Performance des Produktes im Kopf geblieben. 

 

“Die Entwicklungsrisiken bei solchen Technologien sind grundsätzlich sehr hoch, und es kann viel schiefgehen. Das wird immer dann deutlich, wenn man ein vielversprechendes Ergebnis erzielt hat, und sich zufolge mit großen Schritten auf den Markt zubewegt.” 

 

Im Jahr 2020 hat Phaseform das Programm des BadenCampus Start-up Accelerators durchlaufen. Die Empfehlung erhielt das Start-up durch das Gründerbüro der Universität Freiburg. Stefan Weber schätze am BC Accelerator die umfangreiche Palette der Servicelandschaft und der lokalen Dienstleister kennenzulernen.

 

“Es war eine gute Gelegenheit für unser Team-Building, die Verzögerungen, die wir im Projektablauf zu Anfang hatten, mit einer ‘Grundausbildung’ im BadenCampus auszugleichen. Es gab exzellente Gastvorträge von Gründer*innen, Rechtsanwält*innen, Produktentwicklung Expert*innen, und aus anderen Branchen. Es war sehr hilfreich diese ganze Bandbreite vorneweg zu sehen. So konnten wir uns eine gute, tragfähige Basis für die Zukunft schaffen.“

 

Auch für das Jahr 2021 verfolgt das Start-up ambitionierte Pläne. Der Hauptfokus liegt dabei darauf, das Einführungsprodukt erfolgreich auf den Markt zu bringen. Stefan Weber sieht dies als “besten Test” um den Markt kennenzulernen, und aus den Erfahrungen zu lernen. 

Gründungsinteressierten Universitätsabsolvent*innen rät der CEO, die Technologie mit den Augen von potenziellen Kunden und ihres Bedarfs zu sehen. Des Weiteren appelliert Stefan Weber an den Mut zur Gründung:

 

“Nur Mut, man kann nichts verlieren! Gerade in Deutschland liegen so viele technologische Schätze in den Schubladen der Labore, die nie das Tageslicht der Weltwirtschaft sehen werden. Man sollte sich nicht entmutigen lassen und die gewisse Unsicherheit die damit einhergeht einfach zur Seite schieben. Was man dabei mitnimmt, die Erfahrungen, die Perspektiven, das Netzwerk – dies ist alles einmalig und trägt neben dem beruflichen Vorteil auch zur Persönlichkeitsentwicklung bei.“

 

Vielen Dank an Dr. Stefan Weber und das gesamte Phaseform-Team für das Interview und wünschen weiterhin viel Erfolg!

Mehr Informationen zu Phaseform erhalten Sie hier

 

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